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"Forrest Gump" mit offener Audiodeskription am Sonntag, dem 21.11.2010, im Studio-Kino Kiel

Der Film wurde beschrieben vom Nordteam im Hörfilm e.V.:
Olaf Koop, Hela Michalski und Rudolf Beckmann.


Unter den Besuchern der Veranstaltung war Dr. Jürgen Trinkus von Andersicht e.V., der hierzu den folgenden Bericht verfasst hat:


Es findet ja nicht zu oft statt und das ist sicher gut. Würde es öfter sein, wäre es alltäglich und da käme mal diese und mal jener nicht. Der "harte Kern" der Hörfilm-Freunde, der dafür auch aus dem Haus und ins Kino geht, ist ja nicht üppig groß. In Kiel und im großen Umkreis um Kiel umfasst er vielleicht 20 bis 25 Leute. Und die hatten gestern also auch wieder ihr "Familientreffen".

Hörfilmkino in Kiel ist Sonntagmittag in einem richtigen, kleinen Kino, dem netten kleinen Studio-Kino an der Holtenauer Straße, wo man vor- und hinterher noch im Foyer sitzen, miteinander reden und einen guten Kaffee trinken kann.

Für all das braucht es natürlich einen Kümmerer. In Kiel heißt der Niels Luithardt. Als Jugendsprecher des BSVSH macht er auch Leute mobil, an die wir "Alten" gar nicht mehr ran kommen. Und wenn dann auch noch eine gestandene Filmbeschreiberin unter den Gästen ist, gibt das der Sache einen weiteren Wert, den ein Fernseherlebnis nicht bieten kann. Unser Star war Hela Michalski.

Natürlich muss auch der Film eine Verlockung sein. Das ist er dann, wenn er mit Audiodeskription nicht im deutschen Fernsehen zu sehen ist. Auch diese Bedingung war in Kiel erfüllt. Dank der freundlichen Kooperationsbereitschaft des Schweizer Fernsehens konnte "Forrest Gump" gezeigt werden. Mit seinen 130 Minuten war er nicht gerade kurz. Aber alle saßen wir wie gebannt und merkten die Dauer nur am wachsenden Blasendruck.

Die Poesie des Filmes ist großartig eingefangen in der Audiodeskription. Wem sie sich nur auf der Ebene der pointierten Monologe und Dialoge offenbart, hat auch schon seine Freude, aber die suggestive Kraft der Bilder sollte sich schon mitteilen.

Am Anfang fliegt eine Feder. Sie landet im Lieblingsbuch des kleinen Forrest, als er zum ersten Mal in den Schulbus steigen muss. Eine Generation später, am Ende des Films, als der alte Forrest Gump, beladen mit so unglaublich viel Schicksal seinen Sohn zum Schulbus bringt, fällt sie wieder aus dem Buch und steigt in den Himmel, aus dem sie kam. Eine schöne Metapher für den philosophischen Gehalt des Films.

Es geht um Schicksal, ob wir es selbst gestalten oder nur eine Feder im Wind sind. - Das Leben ist, sagt Mutter, wie eine Pralinenschachtel: Man weiß vorher nicht, was man bekommt. - Und vieles, vieles passiert nur in Bildern.

Zwei Außenseiter mit verschiedenen Handicaps finden zueinander und geben sich gegenseitig die Kraft zum Überleben: Forrest, "der Dorftrottel", und Jenny, die Schöne mit dem kaputten Elternhaus, die ständig auf der Flucht vor sich selbst ist. Was sich zwischen beiden abspielt, ist kaum zu verstehen ohne die Sprache der Bilder.

Jenny, die nach der Mutter wichtigste Frau in Forrests Leben, wurde schon als Kind misshandelt und missbraucht vom eigenen Vater. Und doch verfällt sie immer wieder solchen Männern und kehrt erst sterbenskrank zu dem zurück, der sie wirklich hingebungsvoll liebt.

Diese Geschichte, die mich nicht mehr loslässt, wird vor allem in Bildern erzählt. Also geht mein Dank an Olaf Koop, Hela Michalski und Rudi Beckmann für die großartige Audiodeskription. Dank auch an die gelungene Produktion des BR.

Die Filmbeschreibung findet sich schön ein in den Rhythmus des Filmes. Sie lässt gut gesetzte Sprechpausen. Das ist angenehm. Vielleicht war sie in der Fassung, die wir in Kiel über Saal-Lautsprecher verfolgten, ein wenig zu laut im Verhältnis zu den Filmdialogen.

Und Thomas Meinhardt rundet als Sprecher den Genuss ab. Wenn es einen Preis für AD-Sprecher gäbe und ich ihn in diesem Moment zu vergeben hätte, Thomas Meinhardt würde ihn bekommen für "Forrest Gump".

Als die Hörfilmfamilie auseinander ging, sagten viele, dass sie sich auf den nächsten Film freuen. Termin und Titel stehen noch nicht fest. Das kleine gastfreundliche Kino bleibt hoffentlich bestehen!

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