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Zwei Finger fahren über Brailleschrift auf einem Papierbogen.
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» Aktuelles » Theater mit Audiodeskription für Blinde in Kiel am 14. Oktober 2006

Hörtheater für Blinde in Kiel am 14. Oktober 2006

Im Kieler Schauspielhaus waren am 14.10. viele Menschen einfach tief ergriffen und zufrieden. Großes Theater für alle, bei dem Sehen oder Nichtsehen einmal nicht die Frage sein sollte - das hat funktioniert in Daniel Karaseks Inszenierung von Shakespeares "Hamlet". 110 guidePort-Empfänger waren im Einsatz.
Blinde und Sehbehinderte kamen nicht nur aus der nächsten Umgebung sondern aus einem Einzugsgebiet von Rostock bis Bremen und von
Berlin bis München. Aus Neukloster waren sie mit 13 zum Teil Mehrfachbehinderten dabei.
Vor Beginn der Vorstellung trat Generalintendant Daniel Karasek auf die
Bühne, um der Hälfte der Zuschauer, die - als sie die Tickets kauften - gar keine Ahnung hatten, dass diese Vorstellung eine ganz besondere sein
würde, zu erklären, dass im Saal eine Menge blinde Besucher sind, die schon vorab den Bühnenraum nebst Kostümen und Requisiten gezeigt bekamen und jetzt mit Hilfe der Audiodeskription vom Hörfilm e.V. in die Lage
versetzt werden, auch den rein visuellen Momenten der Aufführung zu folgen. Dann musste sich das Theaterpublikum eine weitere Weile gedulden, denn seinen Auftritt hatte Herr Staatssekretär Dr. Hellmut Körner. Er übergab dem BSVSH die guidePORT-Anlage mit 3 Sendern und 100 Empfängern, finanziert aus dem Blinden- und Sehbehindertenfonds, der im Zusammenhang mit der Kürzung des Landesblindengeldes eingerichtet wurde, um - wie der Staatssekretär sagte - die alltägliche Infrastruktur für Blinde und Sehbehinderte zu verbessern. Annegret Walter nahm die symbolische Gabe mit warmen Dankesworten
entgegen. Und dann begann das eigentliche Theater. Shakespeare mag für uns Heutige, die wir an Text-Fastfood gewöhnt sind, schwer und sperrig daher kommen. Es war aber schon mal hilfreich, dass diese machtpolitische Kriminaltragödie in einer gut verständlichen
Übersetzung auf die Bühne kam. Hilfreich war auch, die vorangegangene Begehung des Bühnenraums. Wenn der Geist von Hamlets Vater auf dem Grabhügel stand, von unten illuminiert, konnte ich das intensiv erleben,
weil ich zwei Stunden vorher selber dort gestanden habe. Und obwohl ich Ophelia nicht betasten durfte, ihr Kleid hatte ich doch schon in
Händen gehabt. Ist das nichts? Ohne die Audiodeskription wäre die Schlusspointe für mich nur das gewesen, was der letzte Satz sagte: "Der Rest ist Schweigen." Das dänische Königshaus hatte sich selbst zerlegt. Durch das
Leichenlager schritt der Norweger König an die Rampe und sein Gesicht wurde allmählich zur Maske des zynischen Triumphs. Das war ein starker Moment. Schön ist immer wieder, dass die Live-Deskription auch uns durch die
Rituale nach dem Stück führt. Beifall brandet auf und ab. Warum? Wer tritt da jeweils vor und tut was? Haide Völz, die das Geschehen assistiert von Olaf Koop im Raum der Tonregie über einen kleinen Schwarz-Weiß-Monitor verfolgte, sprach den Kommentar live ein. Das war nicht leicht, denn so eine Aufführung ist doch jeden Abend etwas anders. Ohne den Einsatz der Hörfilmbeauftragten und stellv. Vorsitzenden von Hörfilm e.V. Hela Michalski wäre die Veranstaltung undenkbar gewesen. Ich kenne das, was sie in den letzten Monaten nervlich zu bewältigen hatte, nur zu gut. Und die
physische Leistung von Hela Michalski und ihrem Team war auch eine, die an die Grenzen des machbaren ging. Hela und ihr Mann Winfried hatten auch noch das Management der Ticketreservierung übernommen. Aber zurück
zum Abend im Kieler Schauspielhaus. Der Hörfilm e.V. hatte dann noch zum Sektempfang geladen. Die Schauspieler mischten sich unter die
zahlreichen Besucher. Und das Ende vom Lied? Der Generalintendant möchte jetzt jedes Jahr so ein Theater machen. Für die auswärtigen Gäste gab's vorher noch eine Stadtführung in Kiel. 23
Teilnehmer - mehr geht wirklich nicht. Aber sie waren - was so zu hören war - zufrieden. Bei der Schleusenführung am Nordostseekanal überwogen freilich die Kieler, die das auch noch nicht mitgemacht hatten. Großen Dank noch an Petra Drodofsky, die mit ihrer Junggebliebenen-Gruppe von der Kieler Bezirksgruppe im BSVSH die Expertin für Freizeitgestaltung ist. Sie hatte maßgeblich an der Vorbereitung der Führungen mitgewirkt und die Anmeldungen entgegen
genommen. Tja, das war es dann wohl: ein schönes Wochenende in Kiel konnte gelingen,
weil alle Partner wieder gut harmonierten, was keine Selbstverständlichkeit und nicht ganz einfach zu haben ist!
Dr. Jürgen Trinkus

Ausgabe der GuidePort Empfänger
von 16.30 bis 19.50 Uhr Ausgabe der Empfänger und Tickets im Foyer des Theaters. (Für die Ausleihe werden Personalausweise als Pfand genommen)

Bühnenführungen
Zwischen 17.00 und 18.30 Uhr finden Bühnenbegehungen statt, dabei können Requisiten ertastet werden.
(Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden, teilen Sie uns bitte mit, ob Sie dieses Angebot nutzen möchten.)

Hörtheater Aufführung
19.30Uhr Shakespeares "Hamlet" mit Audiodeskription

Empfang
Ab ca. 22.30 Uhr laden wir Sie zu einem Empfang im Bistro zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch ein.

Eintrittskarten
Die Eintrittspreise kosten mit Behindertenausweis:
Preisklasse I: 13,50 €/ Begleitperson: 16,50 €
Preisklasse II: 12,00 €/ Begleitperson: 14,50 €
Preisklasse III: 9,00 €/ Begleitperson: 11,00 €
Bitte geben Sie bei Ihrer Kartenbestellung mit an, wieviele Ohrklips Sie benötigen.

Die Karten können Sie bis 1.10. bei der Projektleiterin Hela Michalski bestellen: 04881/7172 oder hw.michalski@t-online.de
Sie steht Ihnen auch sonst für alle Fragen gern zur Verfügung.

Bei einer Wochenendplanung oder einer speziellen Stadtführung hilft Ihnen die "Gruppe der Junggebliebenen", der BG Kiel im BSVSH. Sie wird geleitet von Petra Drodofsky, Tel.: 0431 691531, E-Mail: p.drodofsky@gmx.de.

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