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Hörfilm-Vorführungen am Beispiel "Sams" Kino für die Blinden

Das klingt erstmal nach einem Witz: ein Kino voller Blinder. Aber nur, weil jemand nichts sieht, muss das Licht- und Schattenspiel des Films nicht verschlossen bleiben. Es geht auch »Eyes Wide Shut«, die Augen weit geschlossen, vor der Leinwand. Doch obschon manch nichtsehender Mitbürger sich auch in gewöhnliche Vorstellungen wagt und hofft, über die Tonspur und durch sehende Begleiter genug Information mitzubekommen, wünschen die meisten doch ein bisschen Hilfestellung. »Audio-Description« heißt das Zauberwort, und wer einen Mehrkanalton-Fernseher hat und nachts gern herumzappt, ist bestimmt schon mal draufgestoßen: Das sind diese Fassungen, in denen eine Erzählstimme die Dialoglücken nutzt, um die wesentlichsten visuellen Vorkommnisse zu beschreiben.
Bisher fand das jedoch hierzulande eben nur im TV statt, und Blinde mussten ein paar Jährchen warten, um Filme entsprechend aufbereitet zu bekommen. Nun aber hat der Bayerische Rundfunk erstmals eine brandaktuelle Produktion; nur wenige Tage nach dem regulären Start für Nichtsehende erlebbar gemacht - und das in einem richtigen Kinosaal: Die taufrische Hörfilm-Version von »Sams in Gefahr« feierte ihre Welturaufführung im Münchner Atelier-Kino.
»Film ist ein geselliges Medium, ist Tagesereignis, ist Gesprächsthema. Und neue Filme auf solche Weise präsentiert zu bekommen, das bedeutet für Blinde, mitreden zu können«, erklärt Elmar Dosch, Hörfilmbeauftragter des Bayerischen Blinden-, und Sehbehindertenbundes, der an der »Sams«-Neuvertonung mitgearbeitet hat. Weil es darum geht, an den Selbstverständlichkeiten unserer Gesellschaft problemloser teilzunehmen, ist auch die Frage unsinnig, warum man den Blinden nicht einfach nur die Tonspur vorführt, wozu es da noch ein Bild braucht: Diese Fassungen sind durchaus dazu gedacht, von einem gemischten' Publikum gesehen und/oder gehört zu werden.
Beim »Sams« muss der mit Augenlicht gesegnete Publikumsteil allerdings mit einer permanenten, dicken »Hörfilmfassung« mitten im Bild leben - der Verleih hat Angst vor Raubkopien. Aber irgendwann blendet man die Schrift mental fast aus - oder man macht einfach auch als Sehender die Augen zu und hört: BR-Redakteur Bernd Benecke und sein Team haben es wirklich geschickt verstanden, die akustischen Zusatzinformationen in den Film zu verweben, statt sie ihm aufzupfropfen. Sogar das Timing der oft visuellen Gags kommt noch rüber. Und auch wenn es schwer ist zu sagen, welche Bilder im Kopf entstehen würden, wenn man die Schauspieler, wenn man das kleine, dicke Sams mit seinen knallroten Haaren und dem blauen Taucheranzug noch überhaupt nie gesehen hätte (oder wenn man »Rot« und »Blau« nur als Worte kennt): Der große Applaus des blinden Publikums bewies, dass es lebendige, (be)greifbare Bilder waren.
Das »Sams in Gefahr« mit Bildbeschreibung geht nun auf eine kleine Tour durch Deutschland - ob es in München nochmal im Kino zu hören sein wird, hängt wesentlich davon ab, wie lautstark die Nachfrage danach angemeldet wird. Prinzipiell aber brauchen Nichtsehende in dieser Stadt neuerdings keine Sams-Wunschpunkte mehr, um den Traum vom Kinoerlebnis mit Hilfestellung wahr zu machen. Bruno Borger, Leiter des Atelier-Kinos, hat seit Oktober eine regelmäßige Hörfilm-Matinee eingeführt, jeweils am ersten Sonntag im Monat um 13 Uhr. Nächster Termin ist, wegen der Feiertage, erst im Februar - mit »Aimee und Jaguar«.
Kontakt über Elmar Dosch, Hörfilmbeauftragter des BBSB, Arnulfstraße 22, Tel.: 55988-239, E-Mail: hoerfilm@bbsb.org

Bildunterschrift: Wenn im Film kein Dialog gesprochen wird, springt ein Sprecher ein.

Thomas Willmann
TZ 18.12.03, S. 26

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